Rhönrad-Weltmeisterschaften 2026 in Göttingen – Zehn Medaillen für die Schweiz

Bericht: Larissa Müller und Simon Rufener | Fotos: Stefan Roth

Vom 29. Juni bis 4. Juli 2026 fanden die Einzelweltmeisterschaften im Rhönrad- und Cyrturnen in Göttingen (D) statt. Die Schweiz war mit einer 14-köpfigen Delegation in fünf Kategorien vertreten. Mit zehn Medaillen und 18 Finalplätzen bestätigten die Turnerinnen und Turner einmal mehr, dass die Schweiz zu den führenden Nationen im Rhönradsport gehört.

Nach der erfolgreichen Qualifikation über vier Selektionswettkämpfe und die Schweizermeisterschaften anfangs Mai bereitete sich das Nationalkader an mehreren gemeinsamen Trainingswochenenden auf den Saisonhöhepunkt vor.
Die Schweizer Delegation reiste mit grossen Ambitionen nach Göttingen. Mit Simon Rufener, Cheyenne Rechsteiner und Timon Peter standen gleich drei amtierende Weltmeisterinnen und Weltmeister im Aufgebot. Gleichzeitig sorgte eine starke Juniorenmannschaft für berechtigte Hoffnungen auf weitere Spitzenresultate.

Bereits in den Semifinals zeigte die Schweiz eine geschlossene Mannschaftsleistung. Simon Rufener qualifizierte sich trotz kleiner Unsicherheiten in der Spirale souverän für den Mehrkampffinal sowie alle drei Einzelfinals. Manuel Roth erreichte trotz einer Knieverletzung im Podiumstraining mit nur einem gezeigten Sprung den Sprungfinal. Cheyenne Rechsteiner überzeugte mit einem nahezu fehlerfreien Mehrkampf und qualifizierte sich für den Mehrkampf- sowie die Einzelfinals in Gerade und Spirale.

Manuel Roth im Sprung

Auch die weiteren Seniorinnen wussten zu überzeugen. Simona Waser erreichte bei ihrer ersten Weltmeisterschaft den ausgezeichneten 11. Rang im Mehrkampf. Shannon Rüttimann klassierte sich auf Rang 15, Sandrine Peter beendete ihre erste Weltmeisterschaft auf Rang 25 und Katharina Müller erreichte Rang 27.

Bei den Juniorinnen lösten nicht weniger als 4 Turnerinnen Finaltickets: Olivia Notter, Elea Peter, Nadine Kamm und Meret Stark qualifizierten sich für die Einzelfinals. Olivia Suter zeigte ebenfalls einen guten Mehrkampf und belegte Rang 19. Timon Peter qualifizierte sich bei den Junioren trotz eines Sturzes in der Spirale für den Mehrkampffinal sowie alle drei Einzelfinals.
Parallel dazu kehrte die Schweiz auch im Cyrturnen auf die internationale Bühne zurück. Martin Rüetschi bestritt als erster Schweizer seit 2015 einen WM-Wettkampf im Cyr. Mit seiner James-Bond-Kür und seinem selbst entwickelten «Horizontal Waltz» begeisterte der 63-Jährige das Publikum und verpasste den Artistic Final als Neunter nur knapp.

Elea Peter in der Gerade

Am Freitag standen die Mehrkampffinals auf dem Programm. Timon Peter zeigte einen starken Wettkampf und erreichte den etwas undankbaren, aber im starken Teilnehmerfeld guten vierten Rang. Auch Olivia Notter und Nadine Kamm überzeugten bei ihren WM-Premieren mit den Rängen vier und fünf. Cheyenne Rechsteiner verpasste nach einem erneut starken Mehrkampf das Podest denkbar knapp – lediglich 0.025 Punkte fehlten zur Bronzemedaille.

Bei den Senioren schrieb Simon Rufener erneut Geschichte: Als erstem Turner überhaupt gelang ihm an einer Weltmeisterschaft die maximale Schwierigkeit von 10.00 Punkten in der Spirale. Trotz Abzügen durch das Verlassen der Wettkampffläche verteidigte er seinen Weltmeistertitel im Mehrkampf erfolgreich und gewann diesen zum dritten Mal in Folge.

Der Finaltag in den Einzeldisziplinen brachte schliesslich einen wahren Medaillenregen für die Schweiz. Olivia Notter und Timon Peter gewannen je die Bronzemedaille im Sprung bei den Juniorinnen und Junioren. Manuel Roth sicherte sich trotz seiner Knieverletzung mit seinem Doppelsalto vorwärts die Silbermedaille und wurde Vizeweltmeister.

Am Nachmittag setzte der Schweizer Nachwuchs seine Erfolgsserie fort: Timon Peter gewann Silber im Geradeturnen und erreichte den 5. Rang in der Spirale. Meret Stark belohnte sich nach mehreren knapp verpassten Medaillen an der WM 2024 mit Bronze im Spiraleturnen. Elea Peter brillierte mit einer beinahe perfekte Geradekür und durfte sich als Junioren-Weltmeisterin feiern lassen, während Olivia Notter den fünften Rang belegte.

 Meret Stark in der Spirale

Zum Abschluss der Weltmeisterschaften standen die Einzelfinals der Senioren auf dem Programm. Cheyenne Rechsteiner gewann in ihrer Paradedisziplin Spirale die Silbermedaille und wurde Vizeweltmeisterin. Im Geradeturnen verpasste sie als Vierte eine weitere Medaille nochmals nur knapp.

Für Simon Rufener wurde der Samstag zu einem perfekten Abschluss seiner internationalen Karriere. Zunächst verteidigte er seinen Weltmeistertitel im Geradeturnen erfolgreich. Wenig später gelang ihm im Spiralefinal, worauf er viele Jahre hingearbeitet hatte: Mit seiner Kür in der maximalen Schwierigkeit von 10.00 Punkten blieb er trotz des grossen Rads erstmals innerhalb der Wettkampffläche und gewann damit den Weltmeistertitel in der Spirale – den einzigen grossen Titel, der ihm in seiner eindrücklichen Karriere bislang noch gefehlt hatte.

Simon Rufener in der Gerade

Mit insgesamt vier Weltmeistertitel, drei Vize-Weltmeistertitel und drei Bronzemedaillen blickt die Schweizer Delegation auf eine äusserst erfolgreiche Weltmeisterschaft zurück. Auch in der Teamwertung überzeugte die Schweiz: Die Juniorinnen und Junioren belegten Rang drei hinter Deutschland und Israel, die Senioren wurden Zweite hinter Deutschland. Damit ist die Schweiz in beiden Kategorien für die Team-Weltmeisterschaften 2027 in Salzburg qualifiziert.

Zum erfolgreichen Abschneiden trug die gesamte Delegation bei. Unter der Leitung von Stefan Müller wurde das Team von Head Coach Sabine Krumm sowie den Trainerinnen Kathrin Roser und Muriel Wandres betreut. Im internationalen Kampfgericht vertraten Larissa Müller als Schwierigkeitskampfrichterin im Geradeturnen, Linda Lüthy und Carlotta von Meyenn als Ausführungskampfrichterinnen im Sprung sowie Remo Meyer als Oberkampfrichter in der Spirale und im Cyrturnen die Schweiz.